Künstliche Intelligenz entwickelt sich zum wichtigsten Treiber der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft. Inzwischen nutzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
Vor einem Jahr hatten erst 17 Prozent KI im Einsatz, 40 Prozent waren in der Diskussionsphase. Für drei Viertel (77 Prozent) der Unternehmen, die derzeit KI einsetzen, hat sich dadurch ihre Wettbewerbsposition verbessert. 52 Prozent berichten von einem messbaren Beitrag von KI für ihren Unternehmenserfolg und zwei Drittel (66 Prozent) wollen den KI-Einsatz weiter ausbauen.

„Künstliche Intelligenz ist weltweit der entscheidende Treiber für mehr Produktivität und Effizienz. Die deutsche Wirtschaft macht beim KI-Einsatz Tempo“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Bei KI geht es nicht nur darum, wer das beste Sprachmodell baut, es geht um den Einsatz überall dort, wo Deutschlands Wirtschaft stark ist, etwa in der Industrie, in der Pharmazie oder in der Medizintechnik.“
Die breite Mehrheit der Unternehmen zieht aktuell ein positives Fazit ihrer bisherigen Digitalisierungsbemühungen. 77 Prozent sagen, die Digitalisierung habe ihnen eher Vorteile gebracht, 16 Prozent sogar große Vorteile. Zugleich sehen nur zehn Prozent die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung weltweit in der Spitzengruppe, umgekehrt verorten 16 Prozent sie unter den Nachzüglern und siebn Prozent halten sie sogar für abgeschlagen. Für die große Mehrheit (63 Prozent) liegt Deutschland hingegen im Mittelfeld. Für drei Viertel der Unternehmen (78 Prozent) ist die derzeitige Krise der deutschen Wirtschaft auch eine Krise zögerlicher Digitalisierung.
Trotz der weit überwiegend positiven Einschätzung von Digitalisierungseffekten: Aktuell hat rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland (51 Prozent) Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen. 13 Prozent sehen durch die Digitalisierung sogar die Existenz ihres Unternehmens in Gefahr, vor einem Jahr lag der Anteil nur bei sieben Prozent, 2024 bei vier Prozent. Zwei Drittel (65 Prozent) stellen fest, dass ihnen Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, nun voraus sind. Jedes fünfte (20 Prozent) sieht seine Marktstellung durch aufstrebende Start ups gefährdet. „Bei der Digitalisierung ist Deutschland gespalten: Wir haben Unternehmen, die auch im internationalen Vergleich ganz vorne mit dabei sind, und solche, die Gefahr laufen abgehängt zu werden“, sagt Wintergerst. „Unser gemeinsames Ziel muss sein, alle mitzunehmen, insbesondere auch die breite Basis der kleineren und mittelständischen Unternehmen.“
Für die Unternehmen geht es um mehr als einzelne Verbesserungen und Effizienzgewinne. So geben 42 Prozent an, dass sich ihr Geschäftsmodell durch die Digitalisierung verändert. Insbesondere der Nutzung vorhandener Daten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Ein Drittel (32 Prozent) nutzt das Potenzial dieser Daten bereits, fünf Prozent schöpfen es nach eigenen Angaben sogar vollständig aus. Umgekehrt verwenden sechs von zehn (61 Prozent) ihre Daten bisher kaum oder gar nicht: 48 Prozent sagen, sie nutzen das Potenzial eher wenig aus, 13 Prozent nutzen es überhaupt nicht.
Insgesamt kommt die deutsche Wirtschaft bei der Entwicklung von Digital-Innovationen voran, wenngleich langsam. So fällt rund jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) die Entwicklung neuer digitaler Produkte oder Dienstleistungen leicht, vor einem Jahr lag der Anteil bei nur 16 Prozent. Umgekehrt sagen 40 Prozent, dass ihnen dies schwerfällt – nach 51 Prozent im Vorjahr. Nahezu unverändert entwickelt gut ein Drittel (34 Prozent, 2025: 31 Prozent) überhaupt keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen. Zugleich spielen Digitalumsätze für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle. Nur sechs Prozent erwarten, in fünf Jahren gar kein Digitalgeschäft zu haben.
Beim Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen hat KI die Führungsrolle übernommen. 86 Prozent gehen davon aus, dass KI eine große Bedeutung für die Wirtschaft hat, 41 Prozent nutzen inzwischen selbst KI, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Dahinter folgt das Internet of Things (IoT), dem 82 Prozent eine große Bedeutung zusprechen und das von 34 Prozent genutzt wird, 47 Prozent planen es oder diskutieren darüber. Robotik ist für 81 Prozent von großer Bedeutung für die Wirtschaft (38 Prozent Nutzer, 27 Prozent in Planung oder Diskussion), autonome Fahrzeuge für 69 Prozent (22 Prozent Nutzer, 31 Prozent in Planung oder Diskussion), Virtual und Augmented Reality für 67 Prozent (28 Prozent Nutzer, 30 Prozent in Planung oder Diskussion) sowie Drohnen für 48 Prozent (26 Prozent Nutzer, 23 Prozent in Planung oder Diskussion). Größere Diskrepanzen zwischen grundsätzlicher Einschätzung der Bedeutung und tatsächlicher Nutzung gibt es bei drei Technologien. 55 Prozent halten Blockchain für wirtschaftlich bedeutend, aber nur vier Prozent nutzen sie und 13 Prozent planen es oder diskutieren darüber. Beim Metaverse stehen 35 Prozent, die eine große Bedeutung sehen, vier Prozent gegenüber, die das Metaverse im Einsatz haben, weitere neun Prozent planen dies oder diskutieren darüber. Und Quantencomputing wird von 54 Prozent eine große Bedeutung für die Wirtschaft zugesprochen, derzeit wird es aber noch praktisch nicht eingesetzt und fünf Prozent planen oder diskutieren es.

Die Bereitschaft der Unternehmen, in Digitalisierung zu investieren, zieht 2026 trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an. 36 Prozent wollen in diesem Jahr mehr investieren als im Vorjahr, 2025 lag der Anteil bei 29 Prozent, 2024 sogar nur bei 21 Prozent. Umgekehrt wollen nur 13 Prozent ihre Investitionen zurückfahren, nach 25 Prozent 2025 und 30 Prozent 2024. 51 Prozent wollen in diesem Jahr ihr Investitionsniveau halten.
Größte Hindernisse bei der Digitalisierung sind für die Unternehmen die Anforderungen an den Datenschutz (77 Prozent) und der Mangel an Fachkräften (70 Prozent). Weitere Hürden sind Anforderungen an die technische Sicherheit (61 Prozent), ein Mangel an marktfähigen Lösungen (43 Prozent) und fehlender Austausch mit anderen Unternehmen (31 Prozent). Aber auch unternehmensinterne Hemmnisse werden häufig erkannt. 66 Prozent nennen fehlende Zeit, 48 Prozent fehlende finanzielle Mittel, 40 Prozent langwierige Entscheidungsprozesse, 37 Prozent mangelnde Risikobereitschaft und 26 Prozent mangelndes Wissen über Best Practice. Weniger relevant sind eine mangelnde Digitalisierungsbereitschaft der Belegschaft (21 Prozent) und Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen (13 Prozent).
