Eine gute Ausbildung ist kein Zufall

Yvonne Herms, Personalleiterin bei der Richard Köstner AG mit Hauptsitz in Neustadt an der Aisch, erläutert, wie das mittelfränkische Familienunternehmen junge Menschen zu Fachkräften formt.

Wer heute auf dem Ausbildungsmarkt erfolgreich sein will, muss mehr bieten als das „altbewährte“ Modell von der Stange. Da Ausbildungswillige seit Jahren aus einer wachsenden Fülle an Angeboten auswählen können, ist es für die Betriebe bereits ein Erfolg, wenn sich genügend Bewerber auf die freien Stellen melden. In internen Auswahlverfahren gilt es für Personaler und Ausbilder schließlich, die Potenziale der jungen Menschen zu erkennen und sie vom gemeinsamen Weg zu überzeugen.

Yvonne Herms ist seit September 2019 die Personalleiterin bei der Richard Köstner AG. (Foto: Richard Köstner AG)

Anders als bei vielen Großbetrieben setzt Köstner auf eine persönliche Ansprache und Probearbeiten. Beim Sichten der Bewerbungen wirft Yvonne Herms nicht nur einen Blick auf die Zeugnisnoten, sondern auch darauf, ob die Bewerber bereits Praktika, Berufserfahrungen oder erste Eindrücke – vielleicht sogar bei Köstner – gesammelt haben. Im gemeinsamen Einzel- oder Gruppengespräch geht es dann ums persönliche Kennenlernen. Verläuft auch dieses positiv, können die Bewerber meist an zwei bis drei Tagen das Unternehmen und künftige Berufsbild samt Arbeitsabläufen in verschiedenen Abteilungen kennenlernen und dabei selbst mit anpacken.

Egal ob im Stahlzentrum, im Fachmarkt, der Bäderausstellung oder in der Verwaltung – bei Köstner steht der Mensch im Mittelpunkt, betont Yvonne Herms. Dies zeigt sich bereits deutlich in der Ausbildung. Deshalb legt man schon im Vorfeld viel Wert auf Umgangsformen und Motivation. Beim Probearbeiten, spätestens aber innerhalb der Probezeit zeigt sich, wer die nötigen Voraussetzungen für die Arbeit im Team und die Kundenberatung mitbringt. Besonders wichtig neben Motivation und Auftreten sind Offenheit und die Bereitschaft, lernen zu wollen und sich im Betrieb mit einzubringen.

Sollte es doch nicht passen, hängt das oft mit falschen Erwartungen der jungen Leute an die Tätigkeit zusammen, weiß die Personalchefin. Wenn der Spaß bei der Arbeit fehlt, leidet die Motivation, sagt sie. Es liegt dann auch nicht in der Hand der Ausbilder, das zu korrigieren. Seit Beginn der Pandemiesituation trägt auch diese dazu bei, dass viele junge Menschen verunsichert und unschlüssig sind, ob sie unter den erschwerten Bedingungen eine fundierte Ausbildung mit Perspektive für danach erhalten. Neben dem Ausfall von Berufsmessen und Berufsorientierungsaktionen an den Schulen vermutet Yvonne Herms als Hindernis auch fehlenden Rückhalt in Familien.

Kurz vor Ausbildungsbeginn verzeichnete Köstner tatsächlich noch den Eingang einiger Bewerbungen, sodass zum 1. September zwölf junge Menschen ihre Ausbildung bei der Firmengruppe begonnen haben. Kurzfristig sind noch zwei Lehrstellen für zukünftige Kaufleute für Großhandelsmanagement offen. Insgesamt zählt Köstner derzeit 29 Azubis in verschiedenen Berufen.

Erfreulich hoch, nämlich 70 bis 80 Prozent, ist die Übernahmequote. Dies führt die Personalleiterin zum großen Teil auf das Aus- und Weiterbildungssystem von Köstner zurück, das auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Unterstützung der Mitarbeiter in allen Phasen abzielt. Vor allem die „Power-Azubi-Schmiede“, in der die Jugendlichen wichtige Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikation und Konfliktmanagement lernen, begeistert als außergewöhnliches Modul und wird neuerdings ergänzt durch eine virtuelle Begleitung während des kompletten ersten Lehrjahres.

Ein weiteres wichtiges Plus bei Köstner: Jede Abteilung, die Azubis ausbildet, hat einen Ausbildungsbeauftragten bzw. -paten, der extra dafür geschult wurde. Dieser steht den Azubis für betriebliche und schulische Fragen, Sorgen und Nöte zur Seite. Das Know-how dazu erwerben die „Paten“ in dreitägigen Workshops, in denen es um Fertigkeiten geht wie Feedback, Führung oder Kritikgespräche.

Für 2022 erhofft sich Yvonne Herms, dass sie wieder alle Register ziehen kann, um junge Menschen für die Ausbildung bei Köstner zu begeistern. Dazu zählen berufskundliche Tage an Schulen, Berufsmessen, Aktionen über die Firmen-Homepage, Social Media und Printmedien.

Die 40-Jährige lebt vor, was sie sich von den Auszubildenden wünscht: dass Ausbildung und Beruf gegenseitiges Geben und Nehmen bedeutet. „Als Ausbildungsbetrieb haben wir die Pflicht, den Azubis Wissen zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass sie ihr Ausbildungsziel erreichen, aber der Azubi hat im Gegenzug auch eine Bringschuld. Er muss Fragen stellen, er sollte lernen wollen, interessiert sein“, bringt sie den Schlüssel des Ausbildungserfolgs nochmals auf den Punkt.

www.koestner.de